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Was sollte sie nur tun? Sie wurde immer ratloser. Es fiel ihr schwer,
die Sicherheit, die ihr die Knospe bot, aufzugeben.
Andererseits würde sie nie erfahren, wie es wirklich da
draußen ist.
Wie werden die anderen reagieren, wenn ich mich plötzlich öffne
und mein Innersten nach außen kehre?
Schließlich kennen sie mich alle nur als Knospe.
Vielleicht lachen sie mich sogar aus. "Nein, nein, sagte sie
sich, "
ich will auf keinen Fall ausgelacht
werden."
Trotzdem drängte es sie immer mehr, endlich aus ihrer Enge
und Einsamkeit auszubrechen.

Sie wollte auch erfahren, wie es ist zu blühen, von der Sonne
gestreichelt zu werden und die Regentropfen aufzufangen.
Aber wie würde sie wirken, wenn sie sich plötzlich öffnete?
Vielleicht war sie hässlich? Und was geschah, wenn eines
ihrer Blütenblätter abfallen würde. Neugierig wagte sie
einen Blick auf die anderen, die schon ein paar Blätter
verloren hatten. Aber sie blühten weiter.
So schlimm konnte es also nicht sein.
Und hässlich sahen sie auch nicht aus. Sollte sie sich einfach
aus ihrer Enge befreien und ihre Blüte öffnen?
Schließlich überwog die Neugier - vor allem die Neugier auf sich selbst.

Wie würde sie aussehen? Wie würden die anderen sie anschauen?
Was würden sie denken?
Immerhin war der Sommer schon bald vorbei und sie war
nicht mehr ganz jung. In ihrer Sicherheit wurde sie immer unsicherer.
Sie hatte keine Erfahrung im Blühen - war immer nur eine Knospe.
Wenn sie sich die Sonnenblumen, die Nelken und Rosen anschaute,
beschlich sie eine wage Ahnung, wie erstrebenswert es sein musste,
endlich zu blühen.
Sie dagegen stand still, wagte es nicht, sich zu entfalten.
Sie fühlte sich zwar sicher, aber innerlich war sie leer.
Sie wurde immer trauriger in ihrer Knospenhülle,
bis sie am Ende des Sommer spürte, dass sie sich entscheiden musste.
Als sich das Blumenbeet nach und nach leerte, fasste sie sich
endlich ein Herz. Sie wusste, dass es sonst für sie zu spät sein würde.
Und so kroch sie an einem warmen Herbstmorgen aus ihrer
harten Knospenschale hervor und begann sich in
voller Pracht auszubreiten.
Sie war eine bezaubernde Blüte, die sich am meisten darüber freute,
dass sie endlich den Mut
zum Blühen gefunden hatte.

Endlich wusste sie, dass Blühen nichts mit Können zu tun hat,
sondern mit
S e i n.
  

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